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Carina Minar-Holzapfel im Interview

Die Leiterin der Zwergensprache in Österreich beantwortet die häufigsten Fragen zur Babyzeichensprache

Baby Signing - besonders in Amerika in aller Munde wird jetzt mit immer mehr Erfolg auch von österreichischen Eltern entdeckt. Carina Minar-Holzapfel beantwortet die häufigsten Fragen zur Babyzeichensprache!

Warum soll man Zeichensprache für hörende Kinder benutzen?

Durch den Einsatz von einfachen Handzeichen und Gesten sind schon Babys in der Lage, ihre Bedürfnisse und Wünsche mitzuteilen. Und dies lange bevor sie sprechen lernen. Die  Eltern oder BetreuerInnen stehen dem Weinen des Kindes nicht mehr ratlos gegenüber. Er kann dir sagen, was er will.

Den Eltern hilft die Zwergensprache im Alltag mit ihrem Kind enorm und gibt ihnen außerdem einen viel besseren Eindruck von der Welt der Kleinen. Durch Babyzeichensprache lasst dich dein Kind durch eine interaktive Kommunikation viel intensiver am Alltagsgeschehen und an gemeinsamen Erlebnissen teilhaben. Das stärkt natürlich auch die Bindung zwischen den Mitgliedern der Familie.

Durch die Verbindung von Zeichen und gesprochenem Wort erleichterst du deinem Kind das Verstehen des Gesagten. Unter dem Aspekt des ganzheitlichen Lernens unterstützt du die visuelle, motorische und akustische Wahrnehmungsfähigkeit des Babys und somit auf spielerische Weise auch seine Sprachentwicklung. Babyzeichen geben den Kindern eine deutliche Hilfestellung bei der Differenzierung im lautlichen und semantischen Bereich sowie bei der Begriffsbildung zum Aufbau ihres Weltwissens. Nicht zuletzt können die Kleinen ihre Bedürfnisse damit konkreter äußern als es rein durch Zeigen der Fall wäre und beginnen schon früh von sich aus den Dialog mit Eltern und Betreuern.

Ab wann kann ich mit Zwergensprache beginnen?

Sobald dein Kind seine Hände gezielt einsetzen kann, denn dann ist es auch in der Lage, Babyzeichen zu formen, um sich dir mitzuteilen. Meist ist dies ab einem Alter von 6 - 9 Monaten der Fall.

Ihr als Eltern könnt natürlich schon früher die Babyzeichensprache lernen. Dann hast du bereits das Rüstzeug für die wichtigsten Zeichen erworben und können diese bereits in den Alltag einbinden und sich so daran gewöhnen.

Hat dein Baby bereits die Geste „Winke-winke" zum Verabschieden gelernt, so wird es freudig auch neue Zeichen in sein Repertoire aufnehmen.

Wenn du nicht sicher bist, ob dein Baby schon reif genug für die Zwergensprache ist – kein Problem – fang einfach damit an. Du kannst nichts falsch machen, du musst eventuell nur ein bisschen länger auf Babys erstes Zeichen warten.

Wird durch Babyzeichensprache das Sprechen lernen verzögert?

Nein, auch wenn es auf den ersten Blick so scheinen könnte. Das Gegenteil ist eher der Fall. Da Zeichen und Wörter immer zusammengebraucht werden, ersetzt die Zeichensprache die eigentliche Sprache nicht.

Unsere Zwergensprache versucht vielmehr, eine Brücke zu schlagen zwischen einer stark eingeschränkten Kommunikation im frühen Babyalter bis zur voll ausgebildeten Sprache des Kleinkindes.

Das endgültige Ziel sollte für hörende Babys nicht die Perfektionierung der Handzeichen, sondern immer die gesprochene Sprache sein! In unseren Kursen werden mit vielen Liedern und Bewegungsspielen Babyzeichen erklärt. Hier steht immer der Spaß im Vordergrund und Elterngespräche kommen dabei auch nicht zu kurz.

Wie lange wird mein Kind die Zeichensprache zur Kommunikation einsetzen? Hört es irgendwann damit auf?

Solange bis es die gesprochene Sprache gut beherrscht. Auch das ist natürlich individuell sehr verschieden.

Lernt es sprechen, wird es eine Zeitlang sowohl Zeichen als auch Wort gleichzeitig benutzen. Wenn es sich mit Worten deutlich ausdrücken kann und damit das erreicht, was es will, werden die Zeichen nach und nach verschwinden.

Ein Vorteil der Zwergensprache ist, dass, wenn ein neues Geschwisterchen zur Welt kommt, du die Grossen in die Kommunikation mit dem neuen Baby einbeziehen kannst. Und du kannst dir vorstellen, wie wichtig und bedeutend sich dann der große Bruder oder die große Schwester fühlen werden. Das erleichtert die neue Situation natürlich gewaltig und begünstigt eine enge Bindung zwischen den Geschwistern.

Woher stammt die Idee der Babyzeichensprache?

Die Idee der Anwendung der Zeichensprache auch für hörende Babys wird seit den 80er Jahren vor allem in Amerika und England erforscht. Man stellte fest, dass hörende Babys, von denen mindestens ein Elternteil gehörlos war, viel früher kommunizieren konnten als deren gleichaltrige kleine Kollegen.

Unsere Babyzeichen der Zwergensprache-Kurse basieren auf der deutschen Gebärdensprache. So ermöglichen sie nicht nur die frühe Kommunikation mit Ihrem Baby, sondern auch eine erste Berührung mit der Sprache der Gehörlosen.

Mit welchen Babyzeichen sollte man beginnen?

Am besten du beginnst mit den Zeichen, die die Grundbedürfnisse deines Babys ausdrücken wie z. B. „Milch" oder „Essen". Führe zunächst nur ein Zeichen ein und nimm ein weiteres erst dann hinzu, wenn dein Baby das erste richtig im Kontext verwenden kann.

Max hat als erstes das Zeichen für „mehr" gelernt, welches sich in vielen Situationen gut verwenden und verdeutlichen lässt. Sowohl für mehr essen oder mehr trinken, aber auch für mehr vorlesen, mehr Seifenblasen, mehr singen, mehr Bauklötze aus der Box holen, noch mehr Schienen für die Eisenbahn zusammenbauen usw..

Ist dein Baby schon etwas älter, kannst du auch zwei oder drei Zeichen auf einmal einführen. Später können dann Zeichen für die Dinge hinzukommen, die dein Kind brennend interessieren, wie vielleicht Haus- oder Zootiere. Vor allem bei kleinen Jungs sehr beliebt sind „Auto", „Eisenbahn" und „Flugzeug". Aber auch Sicherheitszeichen wie „Stopp" oder „heiß" sollten nicht fehlen.

 

Mehr zum Thema und zu Carina Minar-Holzapfels Kursen findest du auf ihrer Homepage babyzeichensprache.com.