Tipp 1: Ausführung unwichtig...
Stelle nicht Fragen anstatt klare Anordnungen zu geben:
„Hörst du jetzt endlich mit dem ...?“
„... und kannst du endlich dein Zimmer ..?“
Nach dieser mächtigen, pädagogischen Intervention drängt sich in die Gedanken deines Kindes die typisch kindliche Antwort nur so auf: „Na klar kann ich, Mami! Das heißt ich könnte, wenn ich wollte! Aber wenn du mich eh bloß mal fragst, dann ist es dir wohl sowieso ziemlich egal, ob ich es wirklich mache!“
Oft beklagen sich Kinder bei mir: „Weißt du, ich bin mir oft nicht sicher, ob mir meine Eltern gerade eine Frage gestellt haben, oder ob das schon ein Befehl war ...!“ So viele Eltern könnten sich sehr viel Stress ersparen, wenn sie sich angewöhnten, ihre Wünsche an die Kids nicht verwaschen oder in Frageform zu stellen. „Hörst du jetzt endlich mit deinem Spiel auf?“ anstatt „Genau jetzt möchte ich, dass du mit deinem Spiel aufhörst! Jetzt!“
Tipp 2: Das Bitte-Syndrom...
So ziemlich alle Eltern scheinen es recht gern zu mögen, das pflichtbewusste „Bitte“-Sagen. Doch wäre die Überlegung anzustellen, ob sie sich wohl viel zu oft zum falschen Zeitpunkt einschleicht, diese hohe Kunst der Wertschätzung.
Knapp, aber von Herzen sage ich Ihnen dazu: Ja! Meiner Wahrnehmung nach viel zu oft!
Wir Eltern und Pädagogen brauchen nicht jedes Mal zu bitten, wenn wir etwas einfordern, das in irgendeiner Form mit Disziplin, Regeln oder logischen Folgen zu tun hat. Wir sind leitende und anleitende, kurzum, erziehende Menschen. Wir müssen und dürfen uns die Einhaltung von Regeln und Pflichten nicht erbetteln. Und das „Entseuchen“ des eigenen Zimmers ist eine Pflicht und kann wohl auch in ein klar umrissenes Regelwerk eingebunden sein. Die Einhaltung eines solchen muss man sich ja wohl keinesfalls erbitten. Stell dir vor, unsere Polizei würde uns jedes Mal bitten, damit wir das Regelwerk einhalten, welches wir „Gesetze“ nennen.
„Bitte“ und „danke“ dürfen aber dennoch nicht fehlen, deshalb hier unser obligatorischer Merksatz:
Die höflichen Worte „bitte“ und „danke“ sollen in der pädagogischen Interaktion lediglich Ausdruck einer besonderen Leistung oder persönlichen Hilfestellung sein, niemals aber einem Erbetteln von Pflichten oder Konsequenzen gleichkommen.
Tipp 3: Die unhaltbare Ankündigung
Sei vorsichtig im Umgang mit unhaltbaren Ankündigungen. „... vier Wochen kein Game-Boy ...!“ Nach etwa vier Tagen ist es ja dann wohl schon wieder vergessen oder wie das Kind es sieht: „Schon morgen ist es Mami wieder egal und außerdem war diese Ankündigung sicher schon von vornherein unwahr.“
Tipp 4: Den Willen brechen
„Ich nehme dir das Spiel weg!“
Was ich dazu zu sagen haben mag, mag grundsätzlich für uns alle als überaus wichtige Regel zur praktizierten Entspannung gelten: „Nimm oder reiße deinem Kind bitte nichts aus der Hand! Fordere oder motiviere deinen kleinen Verweigerer, das Teil selbst aus der Hand zu geben.“
Hand aufs Herz: Wer lässt sich schon gerne etwas aus der Hand reißen, dass er eigentlich behalten wollte?
Tipp 5: Das Zimmer aufräumen
Es kann zur totalen Überforderung führen. Man sollte eingrenzen: „Dein oberes Regal schön ordnen und deine Tisch abräumen ... Jetzt ...! Das genügt mir für heute!“
Probiere das doch bitte einfach mal beim nächsten „Zimmeralarm“! Du wirst sehen: Schon fällt es deinem Kind leicht, loszulegen. Solch eine eingegrenzte Aufforderung ist absehbar, ist einfach zu schaffen! Und sie sagt dem Kind: Damit ist Mama schon zufrieden? Super! Na das geht ja leicht heute! Und das üben hilft Papas, Omas, Opas und natürlich auch jedem Pädagogen!
Artikel entnommen aus
Entspannte Eltern - Glückliche Kinder
Stressfrei vom Kleinkind bis zur Pubertät
Verfasser:
14,3 x 21,5 cm
180 Seiten
EUR: 17,95 CHF: 31,50
ISBN: 978-3-8000-7381-8
Entspannt erziehen ist zu einem neuen Schlagwort geworden. Der Autor Gerhard Spitzer hat mit seinem ersten Buch und seiner tagtäglichen Arbeit als Kiddy-Coach schon vielen Eltern und Kindern geholfen. Seine Sichtweise lässt Eltern mit den Augen ihrer Kinder sehen und führt sie so zu den besten Lösungen. Wenn Eltern entspannt sind, dann wird auch die so oft gefürchtete Zeit der Pubertät zu einer glücklichen für dich und deine Kinder. Wie du das erreichen kannst, erfährst du in seinem neuesten Buch.