Mütter müssen in einem Supermarkt so einiges beachten, um den Einkauf ohne Schaden zu überstehen
Mütter können besser mit vollbeladenen Einkaufswägen durch Supermarktgänge rasen als der sie verfolgende Supermarktleiter auf seinem Hubwagen. Dabei errechnen sie blitzschnell die Kurvenlage unter Berücksichtigung der im Wagen sitzenden Kinder und der Rutschbeschaffenheit des PVC-Bodens.
Mütter wissen, dass das lustige Fähnchen auf den Miniwägen für Kinder genau unterhalb der Regale aufhört du man das Kind zielsicher bei aufschreiender Kundschaft finden kann, die sich wütend die Schienbeine reibt. So kleine, niedliche Einkaufswagen können doch kein Unheil anrichten, außer wenn sie in geringerer Anzahl vorhanden sind als Kinder im Raum. Und sollte noch ein Mal jemand über das scheinbar winzige Fassungsvermögen der Wagen lächeln, wird er durch „selbstständige“ Einkaufsneulinge spätestens an der Kasse eines Besseren belehrt.
Mütter wissen, welche Gefahren im Supermarkt auf sie lauern. Tanzende Weihnachtsmänner, die mit bunten, verlockenden Pfeilen danach schreien, den Knopf im Bauch gedrückt zu bekommen, um dann minutenlang mit dem Po zu wackeln und den Supermarkt mit einer grellen Tschingelbells-Melodie zu erfüllen. Noch mal drücken, und es ertönt exakt die gleiche Melodie, nur dass diesmal die Kundschaft beim Olivenregal schon missmutig das Gesicht verzieht. Ab dem dritten Mal Drücken wissen auch die Mitarbeiter an der Fleischtheke, dass Kinder Wiederholungen lieben. Überhaupt ist alles, was Töne von sich gibt, in einem Geschäft der Anlass für eine Mutter, mit ihrem Kind schnellstens das Weite zu suchen.
Weitere potenzielle Gefahren lauern in Kleinstgetränkeverpackungen, Miniwürstchen und Piratenkäse. Ganz auf die konstruierten Bedürfnisse des Kindes abgestimmt, befinden sich überlebensnotwendige doppelfarbige Kaugummis, Prinzessinsaftfläschchen und Zorropizzinis in greifbarer Nähe eines metergroßen Erstklässlers, der diese, ohne zu zögern, in den Minieinkaufswagen ohne elektronische Wegfahrsperre stapelt. Deshalb sehen wir entspannte Mütter in aller Seelenruhe des Morgens die Regale durchstöbern nach unwitzigen, farblosen Sonderangeboten und neuen schwarzen Socken für den Partner. Und wie diese winzigen Leberwurstpackungen mit Batman-Aufdruck und mikroskopisch kleinen Tomatenbaguettes dann doch den Weg in den heimatlichen Kühlschrank finden – keine Ahnung.
Mütter wissen immer, wo es die besten Schnäppchen gibt, inklusive Preisunterschiede, wer braucht schon billiger.de oder preispirat.de, wenn er eine Mutter kennt. Sie wissen, wo Windeln reduziert sind, wo Babynahrung in Großabgabemengen günstiger ist und wo Kinderkleidung den Geldbeutel frohlocken lässt. Eine Mutter kann mühelos eine Großfamilie mit dreißig Euro in der Woche ernähren, und die Kinder wissen trotzdem, was Scampi und Rucolasalat sind. Durch die kontinuierliche Lektüre von bunten Blättchen, die der Tageszeitung einliegen, können Montag- oder Donnerstagmorgen die Kühlschränke mit haufenweise Joghurt oder Fischstäbchen gefüllt werden. Manche Mütter rotten sich zu Schnäppchengruppen zusammen und überfallen organisiert Läden am ersten Angebotstag. Angebote werden sofort und in zahlreicher Ausführung eingesammelt. Und endlich hat das Kind Aquaschuhe in Größen bis zum Abitur, es gibt Ananas bis Sankt Martin und der Kleine darf seine rosa Fleecejacke seinen Kindergartenkumpels zeigen. Ist doch modern und war so ein Schnäppchen. Mütter wissen, dass sie in einem Supermarkt mit Frischfleischangebot nahezu fest damit rechnen können, dass sie ihre Kinder mit der obligatorischen Scheibe Wurst aus gekochten, gefärbten und gepressten Schweineresten beglücken dürfen. Diese ist vom hygienebewussten, sicherheitsgeschulten Fleischthekenpersonal in einer luftdicht verschlossenen Plastikfolie verpackt, damit die Haftungsfrage bezüglich eines „Wurstscheibenfalles“ auf den glatten Fliesenboden mit der Folge eines Oberschenkelhalsbruchs bei über Sechzigjährigen auszuschließen ist. Die Wurstscheibe in der Tüte hat zudem den unschlagbaren Vorteil, dass es dauert, bis der kleine Finger des sabbernden Einkaufswagenmitfahrers sich zum fleischigen Schatz vorgearbeitet hat, und dann ist man bereits an der Kasse angekommen, wo das Kind sich voll und ganz auf die Quengelwarenregale konzentrieren kann und bereit für den Nachtisch ist.
Artikel entnommen aus
Mamas wissen mehr
Das schräge Fachwissen der Mütter
Verfasser:
12,5 x 20,0 cm
160 Seiten - 22 s/w-Abbildungen
EUR: 17,95 CHF: 31,50
ISBN: 978-3-8000-7455-6
Dieses Buch ist eine Hommage an die wahren Alphatiere der Gesellschaft. Die Autorin gestattet sich hier auf einfühlsame, ungeschminkte und knallharte Weise zu erörtern, welch wunderbares Wesen durch die Geburt eines Kindes entsteht. Nein, nicht das Kind. Die MUTTER. Kaum eine größere Wandlung macht die Frau im Laufe ihres Lebens durch, als wenn sie zur Brutpflegerin wird. Eine Trockenfutterkonsumentin wird zur Köchin, eine meinungslose Couchdellenverursacherin wird zum gefragten Internetratgeber in einschlägigen Foren und eine Hauptschulabgängerin kann plötzlich ihr Abitur nachholen. Denn: Mamas wissen mehr.