Superdad
Mit viel Zeit und Aufmerksamkeit zum Superdad
Kinder wollen von ihren Vätern meist nicht, dass sie außergewöhnliche Spitzensportler sind oder ungewöhnliche Karrieren hinlegen. Zeit und Aufmerksamkeit machen den Super-Dad aus
In 50 Jahren werden die meisten heute Berühmten vergessen sein. Du aber wirst im Gedächtnis deiner Kinder weiterleben. Du bist in der Lage, tolle gemeinsame Erinnerungen zu schaffen – und dabei jede Meine Spaß zu haben!
Wenn es gar nicht darum geht, super zu sein oder Dinge super zu erledigen, worum geht es dann? Um den Ausdruck deiner Liebe auf verschiedene Arten. Teils, indem du genug Zeit für deinen Sohn oder deine Tochter hast, teils, indem du deine Interessen teilst, etwas mit ihnen und für sie unternehmen. Dabei kann dir dieses Buch (siehe Artikelende) helfen.
Die hier präsentierten interessanten und unterhaltsamen Aktivitäten sind vielfach auch sehr lehrreich. Sport und andere Spiele z.B. helfen dem Kind, Selbstvertrauen zu fassen. Dinge gemeinsam zu bauen entwickelt Redegewandtheit, Fingerfertigkeit und die Fähigkeit der Interpretation. Das klingt vielleicht überraschend ernsthaft, wo du doch dachtest, die Kinder hätten einfach nur Spaß!
Väter sind ein wichtiges männliches Rollenvorbild – wofür sie keine „männlichen“ Dinge zu tun brauchen. So halten manche Kochen für eine Domäne der Mütter. Stimmt nicht; Väter können viel Spaß beim Kochen mit ihren Kindern haben. Umgekehrt hoffen wir, dass auch viele Mütter die Anregungen nützlich und lustig finden.
Fürs Leben lernen
Manches hier kann die Belastbarkeit vergrößern; das hilft v. a. Mädchen, die sich häufig sehr stark auf Freundschaften stützen, die aber in die Brüche gehen können. Du und dein Kind könnt lernen, Spiele zu gewinnen, aber ebenso mit Niederlagen umzugehen und sich mit anderen zu freuen.
Etwa ab 8 machen sich vorwiegend Jungs darüber Sorgen, mit den Gleichaltrigen nicht mithalten zu können. Animiere sie zu einer Reihe von Aktivitäten: Finde etwas, in dem sie wirklich gut sind, das gibt ihrem Selbstvertrauen einen Riesenschub (besonders wenn Fußball nicht ihr Ding ist).
Entwickle gemeinsame Interessen. Ab etwa 7 sind Kinder wie Schwämme, die Ideen, Wissen und Fähigkeiten aufsaugen. Ab etwa 8 wollen v. a. Buben Fakten anhäufen und wahre Experten auf diversen Gebieten werden – von Fußball bis Star Wars. Das ultimative Papa- Handbuch hilft, ihre Interessen zu verbreitern.
Mädchen interessieren sich häufig für Dinge, die Väter nicht sonderlich fesselnd finden. Es geht ihnen häufig mehr darum, mit Freundinnen zu sein als etwas mit Ihnen zu machen. Dennoch spielst du eine wichtige Rolle. Achte auf Gelegenheiten, Dinge mit deiner Tochter zu unternehmen, ihre Interessen zu teilen kann für viele glückliche Stunden sorgen – wie sehr sie sich für einen ganz anderen Weg zu interessieren scheint.
Im Teenageralter haben die meisten Kinder natürlich längst ihre eigenen Interessen entwickelt, vermutlich in ihren ganz eigenen Welten. Wenn du aber früher viel mit ihnen geteilt hast, stehen deine Chancen, dass du auch jetzt noch etliches von ihnen erfährst, weit besser.
Etwas für und mit deinen Kindern unternehmen
Frage jemanden nach den schönsten Kindheitserinnerungen; wahrscheinlich wird es etwas sein, bei dem Dinge mit dem Vater unternommen wurden.
Bis in ihre Teenagerjahre hinein werden deine Kinder stolz verkünden: „Das hat mein Vater gemacht.“ Ab etwa 5 sind sie womöglich noch stolzer, sagen zu können: „Das hab ich mit meinem Vater gemacht.“ Und am liebsten ist ihnen, so ab 7: „Das habe ich gemacht.“ – und du darfst auch stolz sein. (Ganz egal, wie viel Arbeit sie hineingesteckt haben – überlasse ihnen einfach den Ruhm!)
Niemand ist perfekt
Super-Dads sind nicht perfekt. Du musst z. B. nicht endlos geduldig sein. Gestehe den Kindern aber Zeit zu, um Dinge zu verstehen oder den Dreh herauszubekommen. Wenn der Vater ständig in Eile ist oder richtig ärgerlich wird, wenn etwas danebengeht, erschwert das dem Kind zu lernen, sich hartnäckig in eine Sache zu vertiefen.
Nimm dir Zeit. Langwierige, knifflige Aufgaben eignen sich gut für Gespräche. Und es ist niemals verlorene Zeit, sich mit seinem Kind zu unterhalten, selbst wenn du mit anderen, scheinbar wichtigeren Dingen, vorankommen willst.
Gib ihnen mehr Zeit, um zu helfen oder etwas zu erledigen, und plane zusätzliche Zeit ein, um Dinge wieder in Ordnung zu bringen, falls ein Fehler passiert oder das totale Durcheinander ausbricht.
Übernimm dich nicht
Manche Super-Dads verschwinden in ihrer Werkstatt, machen dies und das und wenden endlose Stunden für Projekte auf. Das ist aber gar nicht so entscheidend, denn die Zeit, um Dinge mit statt für die Kinder zu machen, ist vermutlich besser genutzt.
Erwachsene haben häufig hohe Qualitätsansprüche. Bedenke das, wenn du etwas mit Kindern machst. Verschwinde nicht für Stunden in der Werkstatt, um den perfekten Drachen zu bauen – ein halbgares Ding, das in gemeinsamer Arbeit entstanden ist, ist viel besser.
Ab 8 oder 9 brauchen Kinder Ermutigung, um zu erkennen, was sie wirklich alleine bewältigen können. Du musst auch verstehen, dass sie noch nicht alt genug für manche Dinge sind, die sie gerne tun würden. Lass sie Fehler machen, aber schreite ein, wenn die Fehler allzu krass zu werden drohen.
Manche Super-Dads schaffen es, ihre Kinder lange zu beschäftigen, ohne selbst viel Zeit zu investieren. Das ist aber nicht einfach. Überlege, was dein Kind kann und wie sehr ihm etwas liegt. Ihr könnt z.B. einmal gemeinsam Papiermaschee- Basteleien machen; vielleicht kann es das Kind dann allein und beschäftigt sich stundenlang damit, ohne dass Erwachsene eingreifen müssen.
Positive Kritik
Bewusst oder unbewusst setzen viele Super-Dads positive Kritik ein. Eine wertvolle Technik, die es aber mit einigem Geschick zu erlernen gilt: Zu sehr sind wir an negative Kritik gewöhnt.
Positive Kritik arbeitet in der Beurteilung die schlechten und die guten Seiten heraus. Du sprichst über Dinge, ohne jemanden runterzumachen. Anstatt das Aussehen von etwas zu kritisieren, kannst du fragen, warum es so aussieht. Anstatt zu betonen, wie falsch etwas gemacht wird, sag doch: „Auf die Art könnte es einfacher sein.“ Anstatt Mängel zu beanstanden, heb das Gelungene hervor und formuliere deinen Kommentar bezüglich der Fehler so, dass dein Kind widersprechen kann (was Teenager mit Sicherheit tun werden).
Lob und Ermutigung
Dein Kind wird sich (wie die meisten von uns) mit einer Mischung aus Lob, Ermutigung und positiver Kritik am besten entwickeln. Was unterscheidet Lob von Ermutigung? Die meisten Eltern loben ihre Kinder, wenn sie etwas gut machen, und das ist soweit auch in Ordnung. Wer aber immer nur Lob erhält, kann von der lobenden Person abhängig werden. Man verlässt sich auf deren Denken – und das baut das eigene Selbstvertrauen nicht auf. Denn dazu braucht es eine gute Selbsteinschätzung.
Im Gegensatz dazu kann Ermutigung dein Kind in seinem Selbstvertrauen bestärken. In der Ermutigung steckt Unterstützung: positive Bemerkungen unabhängig von der Person, die diese fallen lässt. Du kannst z. B. „Ich“ -Sätze verwenden, wo es um deine Meinung geht, und nicht unargumentierbare Fakten vorlegen, und sich auf etwas Spezifisches konzentrieren.
Du kannst z. B. sagen: „Das war eine gute Rückhand.“ Ermutigender wäre die Formulierung: „Ich fand, das war eine gute Rückhand, weil du genau richtig zum Ball gestanden bist.“ Das sagt deinem Kind: „Meine Rückhand ist gut – nicht weil mein Vater das sagt, sondern weil ich mich richtig bewege und mein Timing stimmt.“
Du kannst sagen: „Gut gemacht, ein nettes Bild.“ Ermutigender wäre: „Mir gefällt, wie fein du das ausgemalt hast.“ Das bedeutet nämlich (1) „Vater gefällt, was ich mache.“ Und (2) „Ich kann gut ausmalen.“
Mit etwas Übung wird es dir leicht fallen, gute Formulierungen zu wählen, die deine Kinder wirklich ermutigen.
Artikel entnommen aus:
„Das Handbuch für den perfekten Papa“ übersetzt von Helmuth Santler erschienen im Tosa Verlag.
ISBN 978-3-8500-3396-1
160 Seiten; EUR: 9,95