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Pilzinfektionen

Pilzinfektion - ein richtiges Frauenleiden

Es juckt, es brennt, es schmerzt und das an den heikelsten Körperstellen. Manche Frauen leiden ständig darunter, manche nie... Die Rede ist von Pilzinfektionen.

Nicht alles was juckt ist ein Pilz

Denn allein aufgrund der Symptome lässt sich ein Scheidenpilz nicht verlässlich diagnostizieren.  Ausfluss muss nicht immer vorhanden sein, Chlamydien oder andere bakterielle Infektionen können ähnliche Erscheinungen verursachen und müssen nicht alle Erkennungsmerkmale (z.B. einen typischen Geruch) auf einmal zeigen. Es kann sich auch um eine hormonell bedingte  Reizung handeln. Oder um eine Infektion mit Trichonomaden (Geißeltierchen, Einzeller). Beim Ausfluss ist zwischen vaginalem und zervikalem Ausfluss (=aus dem Gebärmutterhals) zu unterscheiden.

Beschwerdefreiheit heißt nicht Pilzfreiheit

Eine „Infektion“ verursacht Beschwerden, eine „Besiedelung“ nicht. Eine verlässliche Diagnose ist wichtig, die Verwechslung einer Candidainfektion mit einer bakteriellen Infektion oder mit Trichonomaden kann üble Folgen haben: zum Unterschied zu einer Pilzinfektion steigen diese Infektionen nämlich auf und können Gebärmutter – und Eileiterentzündungen hervorrufen.
Ist es wirklich eine Pilzinfektion, so handelt es sich in 85 bis 90% aller Fälle um den Stamm Candida albicans, zu 5% um Candida glabrata, weitere Stämme sind seltener vertreten. Behandlungsmethoden: Die Behandlung erfolgt lokal (Cremes, Ovula)  und/oder systemisch (Tabletten) mit Antimyotika (Antipilzmitteln.) Für beide Varianten gibt es erfreulicherweise sogar Einmaldosen.

 

Ständige Pilzinfektionen?

Das Problem der Rezidive: Ein Scheidenpilz kann sehr schmerzhaft sein und ist in jedem Fall lästig. Tritt er immer wieder auf und ist er anscheinend nicht loszuwerden, kann das die Lebensqualität ziemlich beeinträchtigen. Die körperlichen Beschwerden werden dann noch durch angstvolle Erwartungshaltung und eine Reihe von einschränkenden Verhaltensmassregeln verschärft. Was also tun?
Insbesonders, wenn das Übel immer wieder auftritt,  rät Frau Univ. Prof. Angelika Stary, Leiterin der Wiener Pilzambulatorien und „world president“ der „International Union against Sexually Transmitted Infections“ (IUSTI) zur Überweisung an ein Pilzlabor, um den Pilzstamm durch eine Kultur exakt zu bestimmen. Länger als ein halbes Jahr sollte man nicht zuwarten. Die Überweisung erfolgt durch den behandelnden Arzt/ die behandelnde Ärztin, die Kosten tragen die Krankenkassen. Im Pilzlabor wird im Rahmen einer Untersuchung ein Abstrich gewonnen und eine Kultur angelegt. Nach 3-5 Tagen steht dann fest, um welchen Stamm es sich handelt, und die Behandlung kann genau darauf abgestimmt werden. Zum Nachweis der „Pilzfreiheit“  wird ebenfalls 5 Tage gewartet. Erst dann gilt „ohne Befund“.
Das Pilzlabor erstellt außerdem eine genaue Behandlungsempfehlung: mit welchen Präparaten, wie lange etc. Es gibt also Hoffnung? Die Antwort ist JA.

Warum überhaupt wiederkehrende Pilzinfektionen?

Wer davon heimgesucht wird, leidet an einer lokalen Abwehrschwäche, die meist genetisch bedingt ist. Sehr vereinfacht ausgedrückt heißt das, das der Körper von bestimmten Stoffen zuwenig produziert. Dadurch gelingt es nicht, den Eindringling völlig zu vernichten.  Ein Teil der Pilze überlebt und zieht sich  in beschwerdefreien Intervallen in tiefere Hautschichten zurück, um dann wieder aktiv zu werden. Die Ausbildung verschiedener Wachstumsformen erleichtern den Pilzen das Überleben.

 

Die Lebensqualität der Betroffenen lässt sich deutlich steigern, wenn mit verschiedenen irrigen Vorstellungen aufgeräumt wird, die einem das Lebensgefühl einer angstvollen Aussätzigen vermitteln.

Schluss mit den Ammenmärchen

  • Eine davon ist die Meinung, das Übel Scheidenpilz wäre auf das einen „pilzverseuchten“ Darm zurückzuführen.  Das stimmt so nicht: 50-70% aller Menschen beherbergen Pilze in ihrem Darm, ohne dass das zu Problemen führt. In der Scheide hingegen hat der Pilz nichts zu suchen, ist er dort anzutreffen, handelt es sich um ein Abwehrproblem.
  • Weit verbreitet ist auch der Trugschluss, dass der Verzicht auf Weissmehl, Zucker, Alkohol die Pilze „aushungern“" würde. Der Blutzuckerspiegel ist den Pilzen allerdings völlig egal. Diabetikerinnen neigen nicht wegen ihres erhöhten Blutzuckerspiegels zu Candidainfektionen, sondern wegen ihrer generell beeinträchtigten Immunabwehr. Sicher ist eine ausgewogene Ernährung immer empfehlenswert, aber pilzbedingte Askese ist  nicht nötig.
  • Hormone: Moderne, niedrig dosierte Pillen schaden nicht, die älteren, hochdosierte Pillen waren problematisch. Candida albicans verfügt nämlich über ein östrogenbindenes Protein, weswegen auch die Neigung zu Candidainfektionen während der Schwangerschaft erhöht ist.
  • Der vielbeschworene Ping Pong Effekt zwischen Mann und Frau ist auch vernachlässigbar. Zwar können auch Männer an genitalen Pilzinfektionen leiden, aber die männliche Anatomie bietet dem Pilz kein wirklich einladendes Ambiente.  Frau Univ. Prof. Stary verwahrt sich auch gegen die automatische Mitbehandlung des Partners, das ist nicht nur nutzlos für die Frau, sondern auch kontraproduktiv, weil ein Medikament ohne Bedarf eingesetzt wird. Ewige Zeiten der Enthaltsamkeit sind auch nicht erforderlich, orientiere dich an deinem Empfinden und tu das, was dir angenehm ist.
  • Man dürfe  nur brave, kochfeste Wäsche anziehen und müsste alles desinfizieren, was einem unterkommt. Stimmt nicht. Ziehe deine hübschen Sachen an und wasche sie falls möglich bei 60 Grad und wenn das nicht geht, verwende einen Hygienespüler (z.B. Canesten, Sagrotan oder Impresan). Du solltest allerdings darauf achten, dass die guten Stücke einigermaßen luftdurchlässig sind und du nicht allzu sehr darin schwitzt (Stichwort Baumwollzwickel).
  • Tampons wären tabu. Stimmt auch nicht, schon gar nicht während der stärkeren Tage. Es geht darum, die Schleimhaut nicht auszutrocknen oder zu verletzen.
  • Schwimmbad sei auch verboten, weil man sich ja leicht im Wasser mit einem Scheidenpilz infizieren könnte. Stimmt so nicht. Das Problem sind nicht die Sporen anderer, sondern Wärme und Feuchtigkeit, die die eigene latente Infektion wieder aufflammen lassen können. Du kannst den Intimbereich propyhaktisch eincremen und einen mit Vaseline getränkten Schutztampon oder eben ein Einweg Diaphragma - verwenden, um Haut und Schleimhaut zu schützen Und sitze nicht im nassen Badeanzug/Bikini herum.

 

Neben all den Dingen, die man auch mit dieser Anfälligkeit sehr wohl tun darf, gibt es auch Dinge, die man tun kann, um die Auslöser einer Candidainfektion auszutricksen.

  • Trigger sind Wärme und Feuchtigkeit, starkes Schwitzen, Schleimhautreizung, - auch mechanische beim Sex (Gleitgel verwenden)-, Störungen des Scheidenmilieus, Hormonschwankungen, Stress und alles andere, das die lokale Abwehr schwächt.
  • AtopikerInnen - Menschen mit zu Allergien und Infekten neigender Haut und Schleimhaut haben  eine erhöhte Anfälligkeit gegenüber Candidainfektionen.
  • Ein massiver Trigger sind häufig Antibiotikabehandlungen, insbesonders mit Breitbandantibiotika, weil dadurch nicht nur die „bösen“ Keime vernichtet werden, um die es eigentlich geht, sondern als Kollateralschaden auch die „guten“, die für den optimalen ph-Wert in der Scheide sorgen.
    Daher lautet Regel Nummer eins: Antibiotika nur dann, wenn sie wirklich erforderlich sind und nicht leichtfertig verwenden.
  • Regel Nummer zwei lautet: Vorsicht ist besser als Nachsicht. Gemäß der massgeschneiderten Empfehlung des Pilzlabors kann man in Auslösersituationen propyhlaktisch ein Antimykotikum verwenden, z.B. eine Tablette am Tag während eines  romantischen Wochenendes. Die modernen Antimykotika sind laut Univ. Prof. Stary sehr gut verträglich, anders als noch vor 20 - 30 Jahren.
  • Regel Nummer drei: das Scheidenmilieu pflegen, d.h. ansäuern (insbesonders nach einer lokalen Behandlung). Das geht gut mit Döderlein Med Kapseln, die  Lactobacillus acidophilus enthalten, Feminella Ovula oder gleich mit einem Joghurttampon. Dazu einen Tampon in Naturjoghurt tauchen und 2 Stunden oder über Nacht  in der Scheide belassen.
  • Regel Nummer vier: Slipeinlagen nur bei wirklichem Bedarf und wenn schon, dann besser die luftdurchlässige Sorte.
  • Noch ein Wort zur Schwangerschaft: Vor der Geburt sollte sicher gestellt sein, dass die Scheide zumindest „pilzarm“ ist, damit sich das Kind nicht während der Geburt infiziert. Bei Bedarf wird eine lokale Behandlung durchgeführt.

Alles halb so schlimm also? Eigentlich ja. Es gibt gezielte Behandlungsmethoden. Und vor allem: Verbote waren gestern, wichtig ist die Lebensqualität.