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Rauchen

Warum rauchen bei der Frau noch gefährlicher ist als beim Mann

Östrogen und Rauchen sind eine schädliche Liaison: Durch Nikotin können gefährliche Hormonableger entstehen.

Rauchen und Östrogene sind Feinde. Seit langem ist bekannt, dass Frauen, die rauchen und zu Empfängnisverhütung die Pille nehmen, häufiger zu Thrombosen und Erkrankungen des Blutgerinnungssystems neigen. Deswegen sollten Raucherinnen ab dem 35. Lebensjahr eher eine östrogenfreie Methode der Empfängnisverhütung wählen.

 Befindet sich Östrogen auch in der Lunge – und das ist bei der geschlechtsreifen Frau der Fall -, so ist Rauchen besonders schädlich. Ein Viertel aller Frauen, die an Krebs sterben, hatten ein Bronchialkarzinom. Die Fünf-Jahres-Überlebensrate bei Lungenkrebs liegt leider nur bei 15 Prozent. Raucht eine Frau, so ist die Wahrscheinlichkeit, an Lungenkrebs zu erkranken, höher als beim Mann. Wenn Frauen über fünf Lebensjahrzehnte hindurch geraucht haben, steigt ihr Lungenkrebsrisiko um 327 Prozent. Aber auch andere Organe sind von Nikotingefahr betroffen: Zungen- und Mundhöhlenkrebs, Speiseröhrenkrebs, Blasenkrebs und Magenkrebs kommen bei Rauchern viel häufiger vor als bei Nichtrauchern – und leider bei weiblichen Raucherinnen häufiger als bei Männern, die rauchen.

 Die höhere Gefährlichkeit des Nikotins im weiblichen Körper hängt tatsächlich mit den Eierstockhormonen zusammen, vor allem mit jenen Enzymen, die die Östrogene weiterverwerten. Diese sogenannten CYP1A1-Proteine bauen das Östrogenmolekül um. Schadstoffe, wie Nikotin und andere in Zigaretten enthaltene Substanzen, können diese Enzymaktivität aber stören. Die Folge ist, dass nicht nur das Östrogen wie vorgesehen in andere Metabolite verwandelt wird. Das duch Nikotinschadstoffe völlig durcheinandergebrachte Enzym CYP1A1 beginnt, Östrogen-Nachfolgeprodukte herzustellen, die dem weiblichen Körper schaden können.

 

Das im Eierstock gebildete Östrogen wird in einzelnen Organen weiterverwertet und in sogenannte Ableger oder Metabolite verwandelt, die wiederum eigene Aufgaben erfüllen. Diese Umbauarbeiten des Östrogens folgen einem fein ausgeklügelten Plan, der durch das Nikotin völlig entgleist. Dadurch entstehen in der Lunge plötzlich Hormone, welche die Zellen zur Teilung zwingen, neue Blutgefäße entstehen lassen und Geschwulstbildungen vorbereiten. Diese Enzyme aktivieren darüber hinaus zahlreiche, im Zigarettensmoke vorkommenden Schadstoffe, die in ihrer Wirkung und Gefährlichkeit verstärkt werden.

Die Lunge garantiert im Fall einer Schwangerschaft auch die Sauerstoffversorgung des Kindes. Deswegen verfügt der weibliche Körper über geniale Programme, welche die Lunge zu Höchstleistungen hochfahren lassen. Am X-Chromosom, von dem die Frau eine doppelte Ausgabe hat, sitzt das Gen für den sogenannten „Gastrin-Releasing-Peptidrezeptor“. Tritt irgendwo ein Schaden im Lungengewebe auf, so regt das Gastirn-Releasing-Peptid die Stammzellen an, den Schaden zu reparieren. Dieses Protein stellt also sicher, dass dem vermehrten Sauerstoffbedarf in der Schwangerschaft Rechnung getragen wird. Auch dieses ausgeklügelte Programm wird durch den Zigarettensmoke gestört. Stammzellen und Reparaturmechanismen werden irritiert. Dadurch steigt das Risiko für ein Bronchialkarzinom.

Artikel entnommen aus

Die Gesundheit der Frau
Warum Frauen länger leben

Verfasser: Johannes Huber

16,5 x 24,0 cm
350 Seiten
EUR: 24,95 CHF: 42,80

ISBN: 978-3-8000-7389-4

Frauen leben länger als Männer. Die Erklärung dafür ist einfach: Ihr Körper ist besser als der des Mannes. Er hat mehr Funktionen, ist anpassungsfähiger und in der Lage, Genprogramme zu aktivieren, die es im Körper des Mannes gar nicht gibt. Doch der weibliche Köper ist auch anfälliger gegenüber Störungen von außen. Was das für Konsequenzen für die Frauengesundheit hat und wie die moderne Medizin darauf reagiert, beziehungsweise reagieren sollte, steht im neuesten Buch von Professor DDr. Johannes Huber.