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Jedes Kind ein Zahn?

Ammenmärchen oder Wahrheit

Ammenmärchen oder Wahrheit. Kostet jede Schwangerschaft einen Zahn?

Kostet jede Schwangerschaft einen Zahn?

 
Auch bei der Fortpflanzung spielen Kalziumionen eine zentrale Rolle – von der Befruchtung bis zum Heranwachsen des Embryos. In der Schwangerschaft benötigt der weibliche Körper Kalzium, um Stammzellen für die Heranbildung des Brustdrüsengewebes zu aktivieren. Die in der Brust später gebildete Muttermilch enthält reichlich Kalzium, das das Neugeborene für seine Entwicklung braucht. Dies ist auch einer der Gründe, warum während einer Schwangerschaft der Kalziumbedarf der Mutter hoch ist. Und deswegen behaupten unsere Großmütter, dass jede Schwangerschaft einen Zahn kostet. Um das zu verhindern, wird heute auf eine Zufuhr von Kalzium in dieser Zeit besonders viel Wert gelegt.
 
Im Hinblick auf eine eventuelle Schwangerschaft wird jeden Monat während des Eisprungs Kalzium aus dem Knochen mobilisiert. In der Mitte des Zyklus sinkt Östrogen ab, was eine Stimulation der Osteoklasten bewirkt. Diese bauen kurzfristig Knochen ab und lösen daraus Kalzium, das nun durch die Blutbahn schwimmt. Steigt Östrogen wieder an, wird das vorher freigesetzte Kalzium in verschiedene Zellen eingebaut. Das Bedeutet: Östrogen stellt den Körperzellen das Turboelement Kalzium zu Verfügung, welches in der Zelle für Teilungsgeschwindigkeit und erhöhte Leistung mitverantwortlich ist.

 

Östrogene üben auf den Knochenstoffwechsel eine günstige Wirkung aus, da sie die vorher genannte Balance zugunsten des Knochenaufbaus verschieben. Sie unterdrücken auch die Osteoklasten, die für den Knochenabbau verantwortlich sind. Das enge Zusammenspiel vom Sexualhormonen, Fortpflanzung und Knochen ist ein uraltes Erbe. Und kann sogar bei den Dinosauriern nachgewiesen werden: Aus den Knochen der Dino-Weibchen konnte durch Schwankungen östrogenähnlicher Hormone Kalzium freigesetzt werden, welches die Ei-Schalen für den Embryo bildete. Demnach könnte es auch im Jurassic Park Fälle von Osteoporose gegeben haben.
 
 
Das gleiche molekularbiologische Setting, das man bei den Dinosauriern fand, ist also bis in die heutige Zeit erhalten: Kurz vor der Entbindung sinken die Sexualhormone ab. Damit fällt die Schutzfunktion für den Knochen weg und Kalzium kann aus dem Depot entkommen wichtige Funktion erfüllen.

 

Artikel entnommen aus:

Die Gesundheit der Frau
Warum Frauen länger leben

Verfasser: Johannes Huber

16,5 x 24,0 cm
350 Seiten
EUR: 24,95 CHF: 42,80

ISBN: 978-3-8000-7389-4

Frauen leben länger als Männer. Die Erklärung dafür ist einfach: Ihr Körper ist besser als der des Mannes. Er hat mehr Funktionen, ist anpassungsfähiger und in der Lage, Genprogramme zu aktivieren, die es im Körper des Mannes gar nicht gibt. Doch der weibliche Köper ist auch anfälliger gegenüber Störungen von außen. Was das für Konsequenzen für die Frauengesundheit hat und wie die moderne Medizin darauf reagiert, beziehungsweise reagieren sollte, steht im neuesten Buch von Professor DDr. Johannes Huber.